So geht Valentinstag auf Katalanisch

Las Ramblas zu St. Jordi in Barcelona

Nicht enden wollende Menschenmassen schieben sich durch die Straßen im Zentrum von Barcelona. Wer am 23. April zufällig in der katalanischen Hauptstadt ist weiß gar nicht wie ihm geschieht. Alle zwei Meter steht ein improvisierter Stand aus Klapptisch und Strandschirm wo Jung und Alt Rosen verkaufen. Kein Auto fährt. An Fußgängerstraßen wie den Ramblas reiht sich ein Buchstand an den nächsten. Dazwischen lassen sich gemütlich ganze Familien mit dem Strom treiben und stöbern in den ausgestellten Büchern.

St. Jordi in Las Ramblas, Barcelona
St. Jordi in Las Ramblas, Barcelona

Es ist Sant Jordi, der Valentinstag der Katalanen und der zweitwichtigste nationale Feiertag nach dem Unabhängigkeitstag am 11. September.

Sankt Georg, Schutzpatron zahlreicher Länder wie auch England, Portugal und Georgien, ist ein katholischer Heiliger. Sein Ehrentag ist in vielen dieser Länder Nationalfeiertag, so wie auch in den spanischen Regionen Katalonien, Aragon und den Balearen.

In der Legende bedrohte ein riesiger Drache das Königreich. Um ihn bei Laune zu halten und damit er das Dorf nicht angreift, opferte die Gemeinde jedes Jahr ein Lamm und einen Bürger. Wer Opfer werden soll, wurde ausgelost. In einem Jahr jedoch fiel das Los auf die Prinzessin. Mit dem Lamm im Arm begab sie sich auf den Weg zum Drachen. Noch vor der Drachenhöhle traf sie auf den Ritter Georg. Der verliebte sich sofort in die Prinzessin und tötete den Drachen mit seinem Schwert. Aus dem Blut des Drachens, das in die Erde sickerte, wuchs eine rote Rose.

Zur Feier des Heiligen Georgs schenken daher die Männer Kataloniens am 23. April, dem vermeintlichen Todestags Georgs, den Frauen eine rote Rose, die sie dann stolz spazieren tragen. Die Rose, die für Leidenschaft steht, wird mit einem Weizenhalm verziert, der Fruchtbarkeit symbolisiert. Die Tradition lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurück verfolgen.

St. Jordi in Barcelona
St. Jordi in Barcelona

Seit 1929 wird der 23 April, der Todestag von William Shakespeare wie auch Miguel de Cervantes, ebenfalls als Tag des Buches gefeiert. Pragmatisch, wie sie sind, verbanden die Katalanen beides. So dass traditionell die Männer ein Buch geschenkt bekommen und die Frauen eine Rose. Bei emanzipierteren Paaren gibt es auch mal beides.

Jedes Jahr zum 23. April strömen so Millionen an Menschen ins Zentrum Barcelonas um ihre Sant Jordi Einkäufe zu tätigen. Mehr als 6 Millionen roten Rosen werden an diesem Tag verkauft. Die meisten werden aus Holland importiert, da die nationale Produktion mit der Nachfrage nicht mithalten kann.

An einem Nationalfeiertag darf natürlich auch die katalanische Fahne nicht fehlen. Von vielen Balkons in ganz Barcelona, wird zur Feier des Tages die katalanische Flagge rausgehängt. Was zu dem festlichen Ambiente in der Stadt beiträgt. Auch Haustiere zeigen ihren Nationalstolz und holen ihren katalanischen Schal aus dem Schrank.

St. Jordi in Barcelona
St. Jordi in Barcelona

Schreibe einen Kommentar